{"id":77,"date":"2006-11-30T13:27:35","date_gmt":"2006-11-30T12:27:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bueroplasz.de\/art\/?p=77"},"modified":"2023-08-29T14:46:09","modified_gmt":"2023-08-29T13:46:09","slug":"77","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bueroplasz.de\/art\/?p=77","title":{"rendered":"Interview"},"content":{"rendered":"\n<p>Interview mit einem Bildersucher<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">C.L.: Austausch \u2013 eine wichtige Sache um mit den eigenen Ideen voran zu kommen. Da bin ich wie ein Handlungsreisender, der irgendwo hin f\u00e4hrt, unerreichbar f\u00fcr das t\u00e4gliche Einerlei, nur damit besch\u00e4ftigt seine Gesch\u00e4fte zu machen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Wie ist das mit dem \u201eAustauschen\u201c erz\u00e4hl mal, du hast doch da schon ein bi\u00dfchen Erfahrung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">C.L.: \u201eSeit 1990 arbeite ich mit CareOf in Mailand und mit ModeDeParis in Marseille zusammen. Beide Institutionen sind eher lose Verb\u00e4nde von K\u00fcnstlern. Begonnen hat unsere Zusammenarbeit nach meinem halbj\u00e4hrigen Aufenthalt 1990 in Marseille (Stipendium des OFAJ). Bis heute arbeiten wir \u00fcber die Distanzen hinweg zusammen. Andere Partner gesellen sich gelegentlich dazu. Das hat sich dann schon auf meine eigene k\u00fcnstlerische Arbeit und gerade auf die Arbeit im Austauch mit Anderen \u00e4u\u00dferst motivierend ausgewirkt \u2013 eine Art omnidisziplin\u00e4re Kooperation&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Erz\u00e4hl doch mal wie das vor sich geht wenn du arbeitest?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">C.L.:\u201eWarum nicht! Auf nicht wenigen meiner Bilder beginne ich die Arbeit wie ein Triebt\u00e4ter, hinterlasse verstohlen einen Strich im Vorbeigehen, verletze die Reinheit der unber\u00fchrten Leinwand. Das hat auch was Rausch zu tun &#8211; Anderes ist reines Konzept, kalkuliert, k\u00fchl berechnet, genau durchdacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Ist das nicht ein Gegensatz?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">C.L.:\u201eJa, und? Diese Dinge gilt es in Einklang zu bringen, dann funktioniert pl\u00f6tzlich alles: Versammlung von Wirklichkeit und Fiktion, Verdichtung von Geste und Material. Dualistische Prinzipien \u2013 die sind ja schon in meiner Person verankert, ich merke das ja auch. Das reizt mich immer. \u201eGegens\u00e4tze ziehen sich an\u201c sagt man und das stimmt so. Die Reibfl\u00e4che ist einfach riesengro\u00df wenn sich etwas zun\u00e4chst wiederspricht, dann aber merkt, da\u00df es ohne das jeweils Andere doch nicht existieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Scheinbar f\u00e4ngst Du die Wirklichkeit mit den Abbildern von B\u00e4llen oder anderen Realismen auf der Leinwand ein!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">C.L.: \u201eAber nein, alle Arbeiten suchen selbst ihren Weg, Ismen sind Ihnen v\u00f6llig egal. Mit einem fotographierten Bild hat das nur zu tun, weil Ich die Themen zwar sehr genau, aber ohne Methode ausw\u00e4hle, wie der Fotograph den Bildausschnitt. Ich dagegen suche nicht einmal, ich halte mich einfach zur Verf\u00fcgung. Einige Themen betreffen mich m\u00f6glicherweise selbst, andere wieder nicht; es ist ein Spiel, bei dem ich offensichtlich betr\u00fcge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Geht Dir das denn leicht von der Hand? Wie bringst du nur alles unter einen Hut?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">C.L.: \u201eIch lasse mich benutzen. Ich versuche nur, Schritt f\u00fcr Schritt, die verschiedenen Zust\u00e4nde von Malerei, die oft aufeinander folgen, auf dem zur Verf\u00fcgung stehenden Bildraum in Einklang zu bringen. Es ist, als ob sich Gesten, seien es Farbspuren, Pinselhiebe oder beispielsweise irgendein Ausschnitt, unabh\u00e4ngig voneinander auf der Leinwand wiedergefunden h\u00e4tten. Allm\u00e4hlich finden sich diese einzelnen Elemente, verbinden sich mit anderen oder mit der Wiederholung ihrer selbst, indem sie sich organisieren. Eine Art von &gt;Wohlf\u00fchlen&lt; stellt sich ein \u2013 das Beste was einem passieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Wie Ist das dann mit Inhalten, ich meine lohnt es sich dar\u00fcber nachzudenken?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">C.L.: \u201eGegenstand meiner Malerei ist die Wandelbarkeit der Dinge im Denken, das Ersetzen von vermeintlichem Wissen durch eigenes Wahrnehmen, die Schaffung eines plastischen Prozesses im Kopf. Die Dinge auf den Bildern sind halt oft nicht die Dinge &#8211; meist sind sie anders &#8211; Das Holz ist kein Holz, der Malgrund ist oberste Malschicht, der gestische Pinselstrich ist in Wirklichkeit pr\u00e4zise kalkuliert und mitunter behutsam geschichtet. Irritationen allenthalben \u2013 das reicht als Inhalt, ist vielleicht schon zuviel, schon zu komplex um sich jemals ganz preis zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Welches Ziel hast Du dabei vor Dir?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">C.L.: \u201eDie Arbeit im Ganzen k\u00f6nnte als eine Art Feldforschung beschrieben werden, die auf Erweiterung, auf Integration neuer Erfahrungen und auf die Initiierung von Denkvorg\u00e4ngen angelegt ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Hm, aha &#8211; aber wie h\u00f6rst Du dann auf?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">C.L.: Ich h\u00f6re nicht wirklich auf. Sobald ich kann, mache ich mich heimlich davon, um sie &#8211; diese seltsame Aura zwischen \u201ealles Klar\u201c und \u201ekeine Ahnung\u201c  eintreten zu lassen. Immer bleibt etwas, das es zu tun gilt &#8211; am anderen Morgen &#8211; darauf freue ich mich schon!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Was hast du sonst vor?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">C.L.: \u201eGeplant ist eine Fortsetzung der Arbeit \u00fcber Unterschied und Gemeinsamkeit von Rundformen .\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Was hei\u00dft das konkret?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">C.L.: \u201e\u00dcber das, zun\u00e4chst rein formale, Interesse an der Integration von &#8220;akuraten&#8221; Kreis- oder Ellipsen-Formen in gestisch-spontane Malprozesse hat sich die Arbeit in alle denkbaren Richtungen weiterentwickelt. Inhaltliche Fragestellungen traten auf den Plan, wie unter anderem, das formal gleiche Erscheinungsbild von B\u00e4llen und Torpedos (Frontalansicht) und der logischerweise unterschiedlichen Betrachter-Reaktion darauf.<br>\nEs geht also wieder um dualistische Prinzipien. Prinzipien optisch \u00e4hnlicher Erscheinungsformen von Malerei und einer Forschung nach malerischen M\u00f6glichkeiten und den Ursachen der oben angesprochenen Betrachter-Reaktionen. Eine Publikation \u00fcber diese Arbeit ist jedenfalls in Vorbereitung.<br>\nIch verspreche mir daraus schon noch wichtige Aufschl\u00fcsse f\u00fcr meine Arbeit und f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Anderen. Das ganze ist ja ziemlich interdisziplin\u00e4r. Die M\u00f6glichkeiten an einem einzigen Ort auf eine Vielzahl von Sparten oder Positionen zu treffen, sind eher gro\u00df. Genau das interessiert mich seit einiger Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Danke f\u00fcr das Gespr\u00e4ch, Mart van den Berg<br>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit einem Bildersucher C.L.: Austausch \u2013 eine wichtige Sache um mit den eigenen Ideen voran zu kommen. 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